Liegestütze lernen: 5-Stufen-Plan für Anfänger

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Frau macht erhöhte Liegestütze mit den Händen auf einer Holzbank im hellen Wohnzimmer, Körper in gerader Linie

Der Weg zum ersten vollständigen Liegestütz führt über den Hebel, nicht über zusammengebissene Zähne. Je höher deine Hände liegen, desto weniger Körpergewicht drückst du – und genau daran schraubst du Woche für Woche. Liegestütze lernen heißt deshalb: an der Wand anfangen, die Auflage in kleinen Schritten absenken und erst auf den Boden wechseln, wenn die Technik hält. Konkret sind das fünf Stufen, zwei bis drei kurze Einheiten pro Woche und ein klares Kriterium, wann du aufsteigst.

Wie viel Gewicht du auf jeder Stufe wirklich drückst

Ein Liegestütz ist keine Alles-oder-nichts-Übung. Eine Kraftmessplatten-Untersuchung mit 23 Freizeitsportlern (Ebben et al., Journal of Strength and Conditioning Research, 2011) hat vermessen, wie viel Körpergewicht die gängigen Varianten tatsächlich verlangen:

Varianteungefähre Lastbei 70 kg entspricht das
Hände ca. 60 cm erhöht (Theke, Fensterbank)rund 40 % des Körpergewichtsca. 28 kg
Hände ca. 30 cm erhöht (Bank, Stuhl)rund 55 %ca. 38 kg
Knie-Liegestütz am Bodenrund 50 %ca. 35 kg
Standard-Liegestütz am Bodenrund 65 %ca. 45 kg

Der Sprung vom erhöhten zum vollen Liegestütz ist also kein kleiner Schritt, sondern grob ein Drittel mehr Last. Wer diesen Sprung erzwingt, landet automatisch bei halben Wiederholungen und durchhängender Hüfte. Deshalb die Zwischenstufen.

Die Grundposition – fünf Punkte, die über alles entscheiden

Diese Haltung ist auf jeder Stufe identisch, an der Wand genauso wie am Boden. Sitzt sie nicht, trainierst du auf jeder Stufe den Fehler mit:

  • Hände etwa schulterbreit, direkt unter den Schultern bis knapp unter der Brustlinie – nicht auf Höhe des Gesichts.
  • Ellbogen im 45-Grad-Winkel nach schräg hinten. Weit abgespreizte Arme im rechten Winkel belasten die Schulter unnötig.
  • Eine Linie von Kopf über Hüfte bis zu den Fersen: Gesäß und Bauch anspannen, Rippen bewusst nach unten ziehen.
  • Nacken lang, Blick schräg zum Boden. Das Kinn nicht vorschieben – sonst wandert der Kopf nach unten, der Rest bleibt oben.
  • Atmung: beim Absenken einatmen, beim Hochdrücken ausatmen. Tempo etwa zwei Sekunden runter, eine Sekunde hoch.

Ein Test für zwischendurch: Halte die Ausgangsposition 20 Sekunden. Zittern ist normal, ein einknickendes Kreuz nicht – dann eine Stufe höher ansetzen.

Liegestütze lernen in fünf Stufen

Arbeite dich von oben nach unten durch. Jede Stufe hat ein Zielvolumen; erst wenn das sauber steht, kommt die nächste.

Stufe 1: Wandliegestütz

Hände schulterbreit an die Wand, ein bis zwei Schritte zurücktreten, Körper in einer Linie zur Wand absenken, bis die Nase fast die Wand berührt. Je weiter deine Füße von der Wand weg stehen, desto schwerer wird es – das ist deine Feinjustierung. Ziel: 3 Sätze à 12–15 kontrollierte Wiederholungen.

Stufe 2: Erhöhte Liegestütze

Jetzt geht es an eine feste Fläche: Küchentheke, Fensterbank, Treppenstufe, stabiler Tisch. Fang hoch an und senke die Auflage in Etappen – Theke, dann Tisch, dann Bank, dann zweite oder erste Treppenstufe. Wichtig: Die Fläche darf nicht wegrutschen, und die Hände bleiben unter der Brust. Ziel pro Höhe: 3 Sätze à 10–12 Wiederholungen, dann tiefer gehen.

Stufe 3: Negative Liegestütze

Beim Ablassen bist du deutlich stärker als beim Drücken – das nutzt du hier. Starte oben am Boden in der Stützposition und lass dich in drei bis fünf Sekunden kontrolliert bis knapp über den Boden sinken. Zum Hochkommen setzt du die Knie ab und drückst dich locker zurück. Ziel: 3–4 Sätze à 5–8 langsame Wiederholungen. Kleine Warnung: Diese Variante macht am Anfang gern zwei Tage Muskelkater, plane den nächsten Termin entsprechend.

Stufe 4: Knie-Liegestütze mit Pause

Hier kommt die volle Drückbewegung zurück, aber mit halbierter Last. Knie abgesetzt, Oberkörper und Oberschenkel bilden eine gerade Linie, die Hüfte knickt nicht ein. Unten eine Sekunde stoppen, dann hochdrücken – die Pause nimmt den Schwung raus und zeigt ehrlich, wie viel Kraft da ist. Ein gefaltetes Handtuch unter den Knien spart die blauen Flecken. Ziel: 3 Sätze à 8–12 Wiederholungen.

Stufe 5: Voller Liegestütz am Boden

Füße hüftbreit oder zusammen, Körper eine Linie, Brust bis auf Faustbreite über den Boden und wieder hoch. Drei saubere Wiederholungen am Stück sind der eigentliche Meilenstein. Danach hängst du an jeden Satz an, was noch geht, und beendest ihn auf den Knien. Ziel: 3 Sätze à 8–12 Wiederholungen.

Trainingsplan für 8 Wochen

Der Plan ist eine Richtschnur, kein Fahrplan zum Abhaken. Wer schneller vorankommt, überspringt Wochen; wer noch wackelt, bleibt einfach länger auf einer Stufe. Drei feste Termine pro Woche mit je einem Ruhetag dazwischen, 60 bis 90 Sekunden Pause zwischen den Sätzen.

WocheStufeVolumen pro Einheit
1–2Wandliegestütz3 × 12–15
3–4Hände auf Theken- oder Tischhöhe3 × 10–12
5Hände auf Bank- oder Stuhlhöhe3 × 10–12
6Negative Liegestütze3–4 × 5–8 (3–5 Sekunden abwärts)
7Knie-Liegestütze mit Pause3 × 8–12
8Boden: so viele wie sauber möglich, Rest auf den Knien3 Sätze

Zwei bis drei Einheiten pro Woche sind für Anfänger die verlässlichere Wahl als tägliches Üben: Kraft entsteht in der Erholung zwischen den Reizen. Dass schon sehr kleine Dosen wirken, zeigt eine Studie der Edith Cowan University: 22 bislang inaktive Erwachsene (18 davon Frauen, 32 bis 69 Jahre) trainierten vier Wochen lang täglich fünf Minuten mit vier einfachen Übungen, darunter Wandliegestütze – und verbesserten danach messbar Kraft, Kraftausdauer und Beweglichkeit (European Journal of Applied Physiology, 2025).

Wann du eine Stufe weitergehst

Die Regel ist simpel und schützt vor dem klassischen Stillstand: Du steigst erst auf, wenn du alle Sätze im Zielbereich technisch sauber schaffst und am Satzende noch ein bis zwei Wiederholungen Reserve hättest. Sauber heißt: volle Bewegungsamplitude, gerade Linie, gleichmäßiges Tempo.

Wenn eine neue Stufe zu schwer ist, musst du nicht komplett zurück. Mische innerhalb einer Einheit: erster Satz auf der schwereren Stufe, die restlichen auf der leichteren. Diese Mischsätze überbrücken den Sprung besser als wochenlanges Warten.

Häufige Fragen

Wie lange dauert es, Liegestütze zu lernen?

Mit drei kurzen Einheiten pro Woche und sauberer Progression schaffen die meisten Anfänger den ersten vollständigen Liegestütz nach etwa sechs bis zwölf Wochen. Ausgangsgewicht und Vorerfahrung verschieben den Zeitraum.

Wie lerne ich als Frau Liegestütze?

Mit derselben Progression, aber feineren Schritten: Theke, Tisch, Bank, Treppenstufe. Weil der Oberkörper im Schnitt weniger Muskelmasse hat, lohnen sich zusätzlich negative Wiederholungen, bei denen du dich nur langsam ablässt.

Sind Knie-Liegestütze für Anfänger sinnvoll?

Ja. Auf den Knien drückst du rund die Hälfte deines Körpergewichts statt etwa zwei Drittel, die volle Drückbewegung bleibt aber erhalten. Wichtig ist die gerade Linie von Kopf bis Knie.

Wie oft sollte ein Anfänger Liegestütze trainieren?

Zwei bis drei Einheiten pro Woche mit mindestens einem Ruhetag dazwischen. Kraft entsteht in der Erholung; tägliches Üben bringt Anfängern meist nur müde Handgelenke.

Wie viele Liegestütze schafft ein Anfänger?

Ein realistisches erstes Ziel sind drei saubere Wiederholungen am Boden. Danach geht es schrittweise Richtung 3 Sätze à 8 bis 12 Wiederholungen.

Liegestütze lernen als Frau: was anders ist

An der Technik ändert sich nichts, an der Ausgangslage schon. Frauen tragen im Schnitt weniger Muskelmasse im Oberkörper, der Anteil an Beinkraft ist relativ höher – deshalb starten viele bei den ersten Bodenversuchen frustriert. Der Ausweg ist nicht mehr Wille, sondern eine feinere Leiter: kleinere Höhenschritte zwischen Stufe 2 und 3 (Theke → Tisch → Sofalehne → Bank → Treppenstufe) und mehr Zeit bei den negativen Wiederholungen, weil dort die meiste Kraft entsteht.

Der Knie-Liegestütz ist dabei keine Abkürzung zweiter Klasse, sondern schlicht die Variante mit rund halber Last. Wer ihn mit Pause unten und gerader Linie beherrscht, ist am vollen Liegestütz näher dran als jemand, der sich mit Schwung am Boden hochreißt.

Warum sich der Aufwand lohnt

Der Liegestütz ist ein guter Indikator für den Zustand des Oberkörpers, weil er Druckkraft und Rumpfstabilität in einer Bewegung abfragt. In einer Langzeitauswertung mit 1.104 aktiven Feuerwehrmännern mittleren Alters hatten Teilnehmer, die mehr als 40 Liegestütze am Stück schafften, über zehn Jahre deutlich seltener Herz-Kreislauf-Ereignisse als jene mit weniger als zehn (JAMA Network Open, 2019). Das ist ein Zusammenhang aus einer sehr speziellen Männer-Stichprobe und kein Beweis, dass Liegestütze allein das Herz schützen – als Argument, das Training nicht schleifen zu lassen, taugt es trotzdem.

Realistischer Zeitrahmen zum Schluss: Wer bei null anfängt und drei Einheiten pro Woche durchzieht, steht meist nach sechs bis zwölf Wochen beim ersten sauberen Liegestütz am Boden. Das Tempo hängt an Körpergewicht, Vorerfahrung und Schlaf – nicht daran, wie hart du dich an einer Stufe festbeißt.

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