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Die kurze Antwort vorweg: Für gesunde Menschen macht es bei normalen Mengen kaum einen Unterschied, ob Butter oder Margarine aufs Brot kommt – entscheidend ist, wie viel Streichfett insgesamt und welches Öl daneben in der Küche landet. Wer viel davon isst oder erhöhte Cholesterinwerte hat, fährt mit einer guten Pflanzen-Margarine (oder direkt mit Raps- und Olivenöl) meist etwas besser als mit Butter. Der Grund steckt im Fettsäuremuster: Butter liefert laut der US-Nährwertdatenbank USDA FoodData Central je 100 g rund 51,4 g gesättigte Fettsäuren und 215 mg Cholesterin, Margarine dagegen überwiegend ungesättigte Fettsäuren und praktisch kein Cholesterin.
Genau um diesen Unterschied dreht sich die ganze Debatte – und die Auswertung von 221.054 Erwachsenen aus drei US-Kohorten, die 2025 im JAMA Internal Medicine erschien, hat ihn noch einmal geschärft. Der Reihe nach: erst die Nährwerte, dann die Studienlage, dann die Frage, welches Produkt in welchem Fall auf den Tisch gehört.
Nährwerte im direkten Vergleich
Beim reinen Brennwert nehmen sich Vollfett-Margarine und Butter fast nichts – beide bestehen zu rund vier Fünfteln aus Fett. Der Unterschied liegt in der Zusammensetzung dieses Fetts:
| Pro 100 g | Butter (gesalzen, USDA) | Margarine, Vollfett (typische Kennzeichnung) |
|---|---|---|
| Kalorien | 717 kcal | ca. 700–730 kcal |
| Fett gesamt | 81,1 g | 80 g (gesetzliches Minimum für Margarine) |
| davon gesättigt | 51,4 g | ca. 20–35 g, je nach Ölbasis |
| einfach ungesättigt | 21,0 g | ca. 30–45 g |
| mehrfach ungesättigt | 3,0 g | ca. 15–30 g |
| Cholesterin | 215 mg | 0 mg |
| Vitamin A | 684 µg RAE (natürlich enthalten) | zugesetzt bis 10 mg/kg erlaubt |
Die Butter-Werte stammen aus dem Datensatz „Butter, salted“ der USDA-Datenbank, die Margarine-Spannen aus den Nährwerttabellen handelsüblicher Produkte – bei Margarine schwankt das Fettsäuremuster stark, weil jede Marke ihre eigene Ölmischung fährt. Für den Kaloriengürtel sind beide gleich relevant: Wer abnehmen will, spart bei der Menge, nicht bei der Sorte. Ein gestrichener Teelöffel Streichfett wiegt etwa 5 g, ein dick bestrichenes Brot landet schnell bei 10 g – das sind rund 72 kcal, egal ob Butter oder Margarine.
Gesättigte Fettsäuren – das eigentliche Streitthema
Der klassische Vorwurf gegen Butter: Viele gesättigte Fettsäuren plus Cholesterin heben den LDL-Cholesterinspiegel, und ein dauerhaft hoher Wert gilt als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt deshalb, die Zufuhr gesättigter Fettsäuren auf 7 bis 10 % der Gesamtenergie zu begrenzen und die mehrfach ungesättigten im Gegenzug auf bis zu 10 % zu steigern; für das Gesamtfett nennt sie 30 bis 35 % der Energiezufuhr.
Was das praktisch heißt, wird an einer kurzen Rechnung deutlich: Bei 2.000 kcal am Tag entsprechen 10 % etwa 22 g gesättigte Fettsäuren. Zwei dick gebutterte Brotscheiben mit zusammen 20 g Butter bringen davon schon rund 10 g mit – also fast die Hälfte des Tagesbudgets, bevor Käse, Wurst, Sahne oder Schokolade überhaupt gezählt sind. Genau hier liegt der Hebel, nicht in der Grundsatzfrage.
Wie viel der Austausch bringt, hat ein Cochrane-Review von 2020 zusammengefasst: In 15 randomisierten Studien mit 56.675 Teilnehmenden senkte eine dauerhaft geringere Zufuhr gesättigter Fettsäuren die Zahl kardiovaskulärer Ereignisse um 17 % (RR 0,83; 95 %-KI 0,70–0,98, moderate Evidenzqualität). Auf die Gesamtsterblichkeit wirkte sich die Umstellung in diesen Studien allerdings kaum aus – ehrlich bleibt also: Es geht um Herz-Kreislauf-Ereignisse, nicht um ein Lebensverlängerungs-Versprechen. Wichtig ist auch, wodurch ersetzt wird: mehrfach ungesättigte Fettsäuren aus Pflanzenölen schnitten gut ab, ein Austausch gegen Weißmehl und Zucker bringt nichts.
Was die Studienlage zu Butter oder Margarine sagt
Für Aufsehen sorgte eine Harvard-Auswertung, die im März 2025 im JAMA Internal Medicine erschien (Zhang et al., PMID 40048719). Ausgewertet wurden die Nurses‘ Health Study, die Nurses‘ Health Study II und die Health Professionals Follow-up Study: 221.054 Erwachsene, bis zu 33 Jahre Beobachtung, 50.932 dokumentierte Todesfälle, davon 12.241 durch Krebs und 11.240 durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Die Ergebnisse im Detail: Das Viertel mit dem höchsten Butterkonsum hatte ein um 15 % höheres Gesamtsterberisiko als das Viertel mit dem niedrigsten (HR 1,15; 95 %-KI 1,08–1,22). Umgekehrt lag die Gruppe mit dem höchsten Pflanzenöl-Konsum 16 % niedriger (HR 0,84; 95 %-KI 0,79–0,90). Am deutlichsten ist der Austausch-Vergleich: Ersetzte man rechnerisch 10 g Butter pro Tag durch die gleiche Menge Pflanzenöl, ging das mit 17 % geringerer Gesamtsterblichkeit (HR 0,83) und 17 % geringerer Krebssterblichkeit einher. Bei den einzelnen Ölen schnitten Raps-, Soja- und Olivenöl am besten ab.
Zur Einordnung gehört: Das sind Beobachtungsdaten aus Ernährungsfragebögen, keine kontrollierten Versuche. Sie zeigen Zusammenhänge, keine Ursache-Wirkung, und Menschen mit viel Olivenöl auf dem Teller unterscheiden sich auch sonst in ihrem Lebensstil. Als Bestätigung der Richtung „mehr Pflanzenfett, weniger Butter“ taugen sie trotzdem – vor allem, weil die randomisierten Daten aus dem Cochrane-Review in dieselbe Richtung zeigen. Was sich daraus nicht ableiten lässt: dass jeder Butterwürfel gefährlich wäre. 10 g pro Tag Unterschied ist eine Alltagsmenge, keine Verbotszone.
Transfette – das alte Argument gegen Margarine ist überholt
Wer Margarine noch aus den 1990ern als Transfett-Schleuder im Kopf hat, kann das abhaken. Transfettsäuren entstanden früher beim industriellen Härten von Pflanzenölen und gelten als besonders ungünstig für Herz und Gefäße. Mit der Verordnung (EU) 2019/649 gilt seit dem 2. April 2021 EU-weit ein Höchstgehalt von 2 g industriell entstandener Transfettsäuren je 100 g Fett.
Dass die Regel greift, zeigen Messdaten: Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) untersuchte 2022 insgesamt 45 Proben Margarine, Ziehfett und Brotaufstriche – der höchste gemessene Gehalt lag bei 0,51 g industrieller Transfettsäuren je 100 g Fett, keine einzige Probe überschritt den Grenzwert. Auch bei Frittierfetten und Fettgebäck, früher die großen Ausreißer, meldete das LGL für 2022 keine Überschreitung mehr. Moderne Margarine wird umgeestert statt teilgehärtet; das alte Gegenargument ist damit erledigt.
Nicht jede Margarine ist gleich gut
„Margarine“ ist keine Qualitätsaussage, sondern nur eine Produktkategorie – entscheidend ist die Ölbasis. Ein Blick auf die Zutatenliste lohnt sich, denn dort steht das Hauptöl an erster Stelle:
- Rapsöl-Margarine: die günstigste Wahl beim Fettsäureprofil, liefert Alpha-Linolensäure (Omega-3) und viel einfach ungesättigtes Fett.
- Olivenöl-Margarine: ebenfalls gut, wobei der Olivenöl-Anteil oft kleiner ist, als die Verpackung vermuten lässt – Zutatenliste prüfen.
- Sonnenblumen-Margarine: in Ordnung, aber mit hohem Omega-6-Anteil; daneben ruhig Raps- oder Olivenöl in der Küche einsetzen.
- Kokos- oder Palmöl-Basis: Kokosfett besteht zu rund 90 % aus gesättigten Fettsäuren – so eine Margarine hat gegenüber Butter kaum einen Vorteil.
- Halbfettmargarine: etwa 39 bis 41 % Fett, entsprechend weniger Kalorien, aber mit hohem Wasseranteil. Zum Streichen fein, zum Braten nicht.
Ein Detail, das viele überrascht: Margarine darf gezielt mit fettlöslichen Vitaminen angereichert werden. Die deutsche Margarine- und Mischfettverordnung (MargMFV) erlaubt in § 2 einen Zusatz von bis zu 10 mg Vitamin A und bis zu 25 µg Vitamin D je Kilogramm. Butter bringt Vitamin A dagegen von Natur aus mit – 684 µg RAE je 100 g laut USDA-Datenbank. In der Alltagsmenge von 10 bis 20 g relativiert sich das allerdings: Beides ist ein netter Nebeneffekt, keine Vitaminquelle, auf die man planen sollte.
Margarine mit Pflanzensterinen ist kein Alltagsprodukt
Eine eigene Kategorie sind Streichfette mit zugesetzten Pflanzensterinen. Laut Verbraucherzentrale senkt der tägliche Verzehr von 1,5 bis 3 g Pflanzensterinen den LDL-Wert nach zwei bis drei Wochen um etwa 10 %. Klingt gut, hat aber Bedingungen:
- Die Produkte sind ausdrücklich für Menschen gedacht, die ihren Cholesterinspiegel senken müssen – nicht zur Vorbeugung und nicht für die ganze Familie.
- Für Schwangere, Stillende und Kinder unter fünf Jahren sind sie nicht geeignet; schon 2 g täglich können die Aufnahme von Carotinoiden und fettlöslichen Vitaminen beeinträchtigen.
- Mehr als 3 g pro Tag steigern den Effekt nicht, können aber schaden. Wer bereits Cholesterinsenker nimmt, sollte den Verzehr ärztlich abklären.
- Ein Nutzen für Herzinfarkt- oder Sterblichkeitsraten ist bislang nicht belegt – gesenkt wird ein Laborwert, nicht nachweislich ein Ereignisrisiko.
- Zum Kochen, Braten und Backen sind diese Margarinen nicht vorgesehen.
Kurz: ein Produkt mit Beipackzettel-Charakter, kein Aufstrich für alle. Wer normale Werte hat, greift zur gewöhnlichen Raps- oder Olivenöl-Margarine.
Streichen, Braten, Backen: was wofür taugt
Die Fettwahl entscheidet sich nicht nur am Brot, sondern auch an der Pfanne. Drei Faustregeln, die in der Praxis tragen:
- Braten: Butter enthält Milcheiweiß und Wasser, bräunt deshalb schnell und wird bei hoher Hitze bitter. Für scharfes Anbraten eignen sich Butterschmalz oder hitzestabile Öle wie raffiniertes Rapsöl besser. Streichfette mit 50 g Gesamtfett je 100 g oder weniger müssen laut § 4 MargMFV sogar den Pflichthinweis tragen, dass sie zum Braten nicht geeignet sind – der hohe Wasseranteil spritzt und die Emulsion bricht.
- Backen: Bei Mürbeteig, Blätterteig und Buttercreme geht es um Konsistenz und Aroma, nicht um Ernährungsphysiologie. Butter liefert hier den typischen Geschmack und einen definierten Schmelzbereich; Margarine funktioniert ebenfalls, in Rührteig praktisch gleichwertig, in feinem Mürbeteig etwas weicher.
- Streichen: Hier zählt die Menge. Ein Teelöffel pro Scheibe reicht; Butter aus dem Kühlschrank lässt sich besser dosieren, wenn sie 15 Minuten vorher herausgenommen wird – sonst gerät die Portion beim Kampf mit dem harten Stück deutlich größer.
Zur Lagerung: Butter nimmt Fremdgerüche an und wird bei Licht und Wärme ranzig, gehört also verpackt in den Kühlschrank; nur die Tagesportion darf in die Butterdose. Margarine bleibt wegen des Wasseranteils grundsätzlich gekühlt und sollte nach dem Öffnen innerhalb weniger Wochen aufgebraucht werden.
Was heißt das für deine Küche?
Praktisch gedacht: Für das Butterbrot am Wochenende und für Gebäck spricht wenig gegen echte Butter – hier zählt Geschmack, und die Menge bleibt überschaubar. Wer täglich dick streicht oder auf seine Blutfette achten muss, tauscht besser einen Teil gegen eine gute Raps- oder Olivenöl-Margarine; genau dieser Austausch von 10 g pro Tag ist die Größenordnung, die in der Harvard-Auswertung den Unterschied machte.
Der größte Hebel liegt ohnehin daneben: hochwertige Pflanzenöle zum Kochen, weniger Streichfett insgesamt, mehr unverarbeitete Lebensmittel. Wer zwei Teelöffel Streichfett und zwei bis drei Esslöffel Öl am Tag verwendet, liegt im Rahmen der DGE-Empfehlungen – und muss sich über die Frage Butter oder Margarine nicht weiter den Kopf zerbrechen. Im Zweifel gilt: beides in Maßen, und die Ölflasche öfter zur Hand nehmen.
Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Ernährungs- oder ärztliche Beratung. Bei erhöhten Cholesterinwerten oder Herz-Kreislauf-Vorerkrankungen bitte mit der Ärztin oder dem Arzt abstimmen.
Quellen
- Zhang Y et al.: Butter and Plant-Based Oils Intake and Mortality. JAMA Internal Medicine 2025;185(5):549–560 (PMID 40048719)
- Hooper L et al.: Reduction in saturated fat intake for cardiovascular disease. Cochrane Database of Systematic Reviews 2020 (PMID 32827219)
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Ausgewählte Fragen und Antworten zur Fett-Leitlinie
- Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: Transfettsäuregehalte in Lebensmitteln, Untersuchungsergebnisse 2021/2022
- Verbraucherzentrale: Cholesterinsenker-Lebensmittel mit Pflanzensterinen sind nicht für jeden
- Margarine- und Mischfettverordnung (MargMFV), §§ 2 und 4
- USDA FoodData Central: Butter, salted (FDC-ID 173410)
Häufige Fragen
Ist Butter oder Margarine gesünder?
Für gesunde Menschen macht es bei normalen Mengen kaum einen Unterschied. Bei viel Streichfett oder erhöhtem Cholesterin ist eine Raps- oder Olivenöl-Margarine mit ungesättigten Fettsäuren die günstigere Wahl.
Hat Margarine weniger Kalorien als Butter?
Kaum. Butter liegt bei 717 kcal je 100 g, Vollfett-Margarine bei rund 700 bis 730 kcal. Nur Halbfettmargarine mit 39 bis 41 Prozent Fett spart Kalorien. Zum Abnehmen zählt die Menge, nicht die Sorte.
Enthält Margarine noch schädliche Transfette?
Nein. Seit dem 2. April 2021 gilt EU-weit ein Höchstgehalt von 2 g industrieller Transfettsäuren je 100 g Fett. Das LGL Bayern maß 2022 in 45 Proben Margarine und Ziehfett maximal 0,51 g je 100 g Fett.
Was sagt die aktuelle Studienlage zu Butter?
Eine Harvard-Auswertung von 221.054 Erwachsenen (JAMA Internal Medicine 2025) fand bei hohem Butterkonsum ein 15 Prozent höheres Sterberisiko. Ersetzt man 10 g Butter täglich durch Pflanzenöl, lag die Sterblichkeit rechnerisch 17 Prozent niedriger.
Welche Margarine ist die beste Wahl?
Margarine auf Rapsöl-Basis, weil sie Omega-3-Fettsäuren und viel einfach ungesättigtes Fett liefert. Kokos- oder Palmfett-Basis bringt gegenüber Butter kaum Vorteile, Pflanzensterin-Margarine ist nur bei erhöhtem Cholesterin sinnvoll.


