Bis zu 6 Gramm Salz pro Tag – das ist der Orientierungswert der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für Erwachsene. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) setzt die Grenze mit 5 Gramm sogar etwas niedriger. Beides klingt nach wenig, ist es auch: 6 Gramm passen in einen gestrichenen Teelöffel. Und das Tückische daran ist, dass der Salzstreuer auf dem Tisch damit fast nichts zu tun hat.
Denn der größte Teil landet unbemerkt auf dem Teller. Etwa 75 bis 90 Prozent unserer Salzzufuhr stecken bereits in verarbeiteten Lebensmitteln – in Brot, Wurst, Käse und Fertiggerichten. Wer wissen will, wo das Salz wirklich herkommt, muss also nicht beim Nachwürzen ansetzen, sondern beim Einkaufen.
Die offiziellen Empfehlungen im Überblick
Die 6-Gramm-Marke der DGE ist ein Orientierungswert, keine starre Obergrenze für jeden Tag. Sie beschreibt, was für die meisten Erwachsenen langfristig sinnvoll ist. Zur Einordnung: 6 Gramm Speisesalz enthalten rund 2,4 Gramm Natrium – Natrium ist der Bestandteil, auf den es gesundheitlich ankommt.
- Erwachsene: bis zu 6 g Salz pro Tag (DGE), 5 g pro Tag (WHO)
- Kinder: deutlich weniger, je nach Alter etwa 2 bis 5 g pro Tag – je jünger, desto weniger
- Ein Teelöffel: fasst ungefähr die 6 Gramm eines ganzen Tages
Die Realität sieht anders aus. Frauen nehmen in Deutschland im Schnitt 8,4 Gramm täglich auf, Männer sogar 10,0 Gramm. Rund 70 Prozent der Frauen und 80 Prozent der Männer liegen über dem Richtwert von 6 Gramm, jede zweite Person konsumiert mehr als 10 Gramm pro Tag.
Warum zu viel Salz ein Problem ist
Salz bindet Wasser im Körper. Nimmt man dauerhaft zu viel davon auf, steigt das Blutvolumen, und das kann den Blutdruck nach oben treiben – eine Belastung für Herz, Gefäße und Nieren. Etwa ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland hat bereits einen zu hohen Blutdruck, ein weiteres Drittel liegt im grenzwertigen Bereich.
Das heißt nicht, dass Salz per se schlecht ist – der Körper braucht Natrium, etwa für Nerven und Muskeln. Es geht um die Menge. Wer viel schwitzt, Sport treibt oder körperlich hart arbeitet, hat einen etwas höheren Bedarf. Für die meisten von uns im Alltag ist aber eher das Gegenteil das Thema: zu viel statt zu wenig. Bei Bluthochdruck, Nieren- oder Herzerkrankungen gehört die individuelle Salzmenge in ärztliche Hände.
Versteckte Salzquellen: Wo das Salz wirklich steckt
Der Aha-Moment kommt meistens beim Brot. Eine einzige Scheibe Graubrot bringt im Schnitt rund 0,6 Gramm Salz mit – mehr als eine kleine Handvoll Chips. Und weil kaum jemand nur eine Scheibe isst, summiert sich das schnell.
| Lebensmittel | Salzgehalt (ca.) |
|---|---|
| 1 Scheibe Graubrot | 0,6 g |
| 1 Bratwurst | 2,2 g |
| 1 Portion Hartkäse (30 g) | 0,5–0,6 g |
| 1 Dose Hühnernudelsuppe | rund 4 g |
| Fertigpizza, Tiefkühl (halbe) | 3–4 g |
Die typischen Verdächtigen sind also nicht die salzig schmeckenden Snacks, sondern die unauffälligen Alltagsbegleiter: Brot und Brötchen, Wurst- und Fleischwaren, Käse, Fertigsoßen, Suppen aus der Dose und Tiefkühlgerichte. Viele davon schmecken nicht einmal besonders salzig – das Salz ist trotzdem drin, oft als Geschmacksträger und Konservierung.
Salz im Alltag reduzieren – ohne dass es fad wird
Die gute Nachricht: Der Geschmack für Salz ist Gewöhnungssache. Wer schrittweise weniger salzt, empfindet nach ein paar Wochen die gleiche Menge als würziger. Ein radikaler Verzicht ist gar nicht nötig, ein paar Stellschrauben reichen.
- Selbst kochen: Wer frisch kocht, bestimmt die Salzmenge selbst – das ist der wirksamste Hebel überhaupt.
- Mit Kräutern und Säure würzen: Knoblauch, Zwiebeln, Pfeffer, frische Kräuter, ein Spritzer Zitrone oder Essig bringen Geschmack ohne zusätzliches Salz.
- Nährwerttabelle vergleichen: Beim Einkaufen auf den Salzgehalt pro 100 g schauen und die salzärmere Variante wählen.
- Clever tauschen: Vollkornbrot statt Laugengebäck, Kochschinken statt Rohschinken, Frischkäse statt Schmelzkäse, ungesalzene Nüsse statt gesalzener.
- Erst probieren, dann salzen: Den Salzstreuer nicht automatisch greifen, sondern nach dem ersten Bissen entscheiden.
Man muss dafür kein Ernährungstagebuch führen. Schon wenn Brot, Wurst und Fertigprodukte etwas seltener und bewusster auf dem Teller landen, verschiebt sich die Tagesbilanz spürbar in Richtung der 6-Gramm-Empfehlung.
Häufige Fragen
Wie viel Salz am Tag ist gesund?
Die DGE empfiehlt Erwachsenen als Orientierungswert bis zu 6 Gramm Salz pro Tag, die WHO rät zu maximal 5 Gramm. Das entspricht etwa einem gestrichenen Teelöffel – inklusive des Salzes in Brot, Käse und Fertigprodukten.
Wie viel Salz nehmen Deutsche tatsächlich auf?
Deutlich mehr als empfohlen: Frauen im Schnitt 8,4 Gramm, Männer 10,0 Gramm pro Tag. Rund 70 Prozent der Frauen und 80 Prozent der Männer liegen über dem Richtwert von 6 Gramm.
In welchen Lebensmitteln steckt das meiste Salz?
75 bis 90 Prozent des Salzes stammen aus verarbeiteten Lebensmitteln – vor allem Brot, Wurst, Käse, Fertiggerichten und Suppen. Eine Scheibe Graubrot enthält schon rund 0,6 Gramm, eine Bratwurst etwa 2,2 Gramm.
Wie kann ich im Alltag Salz reduzieren?
Am wirksamsten ist selbst kochen und schrittweise weniger salzen. Mit Kräutern, Knoblauch und Zitrone würzen, beim Einkauf den Salzgehalt vergleichen und salzärmere Alternativen wählen – der Geschmack gewöhnt sich schnell um.
Kann zu wenig Salz auch schaden?
Der Körper braucht Natrium für Nerven und Muskeln, ein Mangel ist bei normaler Ernährung aber selten. Für die meisten Menschen ist zu viel Salz das Thema, nicht zu wenig. Bei starkem Schwitzen oder Erkrankungen sollte die Menge individuell abgestimmt werden.


